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Artikulationsstörungen

Von Artikulationsstörungen spricht man, wenn Laute nicht korrekt ausgesprochen werden. Dabei wird das Wort nicht in seiner Bedeutung verändert (wie z.B. bei der phonologischen Störung: Saal statt Schal), sondern nur im Klang. Die bekannteste Artikulationsstörung ist das „Lispeln“.
 
Ursache für die Lautfehlbildung ist ein nicht korrektes Bewegungsmuster der Artikulationsorgane (Zunge, Lippen …), oft bedingt durch eine Muskelschwäche.
 
Die Therapie beinhaltet in der Regel Hör- und Wahrnehmungsübungen, mundmotorische Übungen zum Aufbau der Artikulationsmuskulatur, die Korrektur der Lautbildung bis hin zur schrittweisen Übernahme des neu erlernten Bewegungsmusters in die Spontansprache.

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Stottern

Als Stottern bezeichnet man Redeflussstörungen. Symptome treten auf  in Form von Laut-, Silben- und Wortwiederholungen, Lautdehnungen sowie Blockaden. Als sogenannte Begleitsymptome können Mitbewegungen der mimischen Muskulatur oder einzelner Körperteile, Veränderung der Sprechweise wie Flüstern oder Verlangsamung, Satzabbrüche, Satzumstellungen, Vermeiden des Blickkontakts bis hin zum sozialen Rückzug beobachtet werden. Die Begleitsymptome sind Strategien, die Stotterer anwenden, um aus dem gefürchteten Stottern herauszukommen bzw. um die Sprechsituation ganz zu vermeiden. Emotionale Begleiterscheinungen können psychische Anspannung, Frustration, Wut oder Sprechangst sein.
 
Was die Ursache für das Auftreten von Stottern ist, ist bis heute nicht hinreichend geklärt. Es gibt zwar viele Hypothesen, doch keine lässt sich wirklich beweisen. Vermutlich sind mehrere Faktoren daran beteiligt. So wird z.B. nach dem häufig diskutierten Modell von Starkweather neben einer erblichen Disposition ein Ungleichgewicht von Anforderungen und Fähigkeiten vermutet. Fähigkeiten sind dabei auf der sprachlichen, aber auch auf der kognitiven, motorischen oder emotionalen Ebene, wie z.B. Selbstbewusstsein oder Frustrationstoleranz zu finden. Diesen Fähigkeiten stehen Anforderungen von außen (z.B. Kindergarten, Eltern, Freunde) sowie von innen (z.B. der Ergeiz des Kindes selbst) gegenüber.
 
Doch wann ist Stottern wirklich Stottern und wann ist es behandlungsbedürftig? Bei kleinen Kindern bestehen bei dieser Frage häufig Unsicherheiten.
Im Alter von 2-5 Jahren treten bei den meisten Kindern entwicklungsbedingte Sprechunflüssigkeiten auf. Nach der oben beschriebenen Hypothese von Starkweather lässt sich das folgendermaßen erklären. Ein Kind, das z.B. gerade entdeckt hat, dass das Verb im Satz an zweiter Stelle stehen muss, bemerkt sein Defizit (Ich Oma gehen). In der Phase, in der sich die neu  erworbene grammatikalische Struktur (Ich gehe zur Oma) festigt, benötigt es für seine Aussage noch  Zeit zum Überlegen. Um keine Sprechpause entstehen zu lassen, füllt es diese Zeit mit Wiederholung (Ich..ich..ich gehe zur Oma). Hat das Kind die nächste Stufe seiner sprachlichen Fähigkeiten erreicht, sind Anforderungen und Fähigkeiten wieder im Gleichgewicht und das Kind verliert diese physiologischen Unflüssigkeiten wieder.
 
Bei manchen Kindern jedoch bleiben die Unflüssigkeiten bestehen und es kann daraus ein wirkliches Stottern entstehen.

Wann sollten Sie Ihr Kind dem Arzt oder einer Logopädin vorstellen:
- wenn Sie selbst sehr besorgt sind,
- wenn das Stottern länger als ein halbes Jahr anhält,
- wenn Ihr Kind seine Unflüssigkeiten bemerkt und darunter leidet,
- wenn es  Begleitsymptome, wie z.B. Mitbewegungen, psychische Anspannung, emotionale
- Reaktionen zeigt,
- wenn es seine Sprechfreude verliert und Sprechsituationen vermeidet.
 
Nach einer eingehenden Diagnostik wird entschieden, ob eine Therapie notwendig ist. Bei Kindern wird je nach Symptomatik und Alter des Kindes indirekt an den Risikofaktoren (z.B. Verbesserung der sprachlichen Fähigkeiten durch Behebung einer Sprachentwicklungsstörung) oder direkt am Stottern gearbeitet. Ein wichtiger Bestandteil der Stottertherapie ist die Beratung der Eltern sowie die Einbeziehung der Eltern in die Therapie, da sie das Kind auch zu Hause unterstützen sollen.
Mit jugendlichen und erwachsenen Stotterern wird immer direkt am Symptom gearbeitet.
 
Im Groben lassen sich zwei Arten von Therapiemethoden unterscheiden:
- Bei der Modifikationstherapie oder auch Nicht-Vermeidungs-Therapie wird am Stottern selbst gearbeitet. Der Patient soll zum einen unempfindlich werden gegenüber seinem Stottern und gegenüber möglichen Reaktionen seiner Kommunikationspartner sowie sein Sprechverhalten selbst verändern, d.h. von harten Sprechbewegungen hin zu weicheren, langsamen und lockeren Bewegungen kommen. Ziel ist ein kontrolliertes flüssiges Sprechen bzw. ein leichtes anstrengungsfreies Stottern.
- Bei der sogenannten „Fluency Shaping“- Methode wird am Sprechen gearbeitet und die Anteile des vorhandenen flüssigen Sprechens ausgeweitet. Die Sprechweise wird so verändert, dass ein Stottern nicht mehr auftreten soll. Ziel ist eine kontrollierte Sprechflüssigkeit.
 
Welche Methode für welchen Patienten geeignet ist, muss in einem ausführlichen Gespräch am Anfang der Therapie mit dem Patienten bzw. mit den Eltern geklärt werden. Auch eine Kombination von beiden Verfahren ist möglich.
 
Weitere Informationen zum Thema Stottern finden Sie hier: 
www.dbl-ev.de

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Dysarthrie

Die Dysarthrie, oder auch Dysarthrophonie ist ein reines Problem des Sprechens. Im Unterschied zur Aphasie ist  das Verstehen, Lesen und Schreiben intakt. Die Störung befindet sich auf der motorischen Ebene, d.h. die Sprechmuskulatur wie Lippen, Zunge, Gaumensegel, Kehlkopf können nicht korrekt bewegt werden. Grund ist eine Störung in der Steuerung dieser Organe, verursacht durch einen Schlaganfall oder eine andere Schädigung der verantwortlichen Gehirnareale.
Symptome der Dysarthrie können sein:
- Verwaschene undeutliche Aussprache,
- Atemprobleme
- ein rauer, heiserer Stimmklang
- ungewöhnlicher Sprechrhythmus, Sprechmelodie oder Betonungen
Oft sind die Betroffenen nur schwer zu verstehen, was eine große Belastung für die tägliche Kommunikation darstellt.
 
Eine gezielte logopädische Therapie kann die sprachlichen Leistungen verbessern. Am Anfang steht eine ausführliche Diagnose, anhand derer die TherapeutIn die Problembereiche erkennen kann und daraufhin individuell abgestimmte Übungen anbieten kann. Dies kann z.B. Bereiche wie Haltung,  Atmung,  Stimmgebung,  Mundmotorik und/oder Sprechmelodik und Betonungsmuster in individueller Gewichtung betreffen.
Ziel ist die Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit im Alltag. Deshalb ist therapiebegleitend auch die Beratung und Miteinbeziehung der Angehörigen wichtig.
 
Weitere Informationen finden sie hier:
 
Dysarthrie Ein Ratgeber für Angehörige
Von Anne Berndt und Antje Mefferd
Schulz-Kirchner-Verlag
ISBN 3-8248-0491-3

www.dbl-ev.de

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Sprechapraxie

Bis ein Wort ausgesprochen ist, müssen vorher verschiedene Prozesse ablaufen. Zunächst entsteht im Gehirn die Sprechabsicht. Dann muss das entsprechende Wort aus dem Gedächtnis abgerufen werden. Anschließend muss geplant werden, welche Muskeln (Zunge, Lippen, Gaumensegel, Kehlkopf…) sich wie bewegen müssen, um das  Wort zu realisieren. Erst nach dieser Planung gibt das Gehirn über die Nervenbahnen den Befehl an die Muskeln, sich entsprechend zu bewegen, um das Wort auszusprechen.
Diese ganzen Vorgänge passieren in der Regel unbewusst und rücken erst ins Bewusstsein, wenn sie nicht mehr funktionieren.
 
Unter Sprechapraxie versteht man Beeinträchtigungen der Bewegungsplanung. Die Artikulationsmuskulatur bekommt nicht die richtigen Befehle, sich entsprechend der Sprechabsicht zu bewegen.
Symptome der Sprechapraxie sind deshalb:
- phonematische Fehler (Lautabweichungen, die die Wortbedeutung verändern bzw. das Wort
- unverständlich machen, z.B. Bonne statt Sonne)
- phonetische Fehler (Lautabweichungen, die nur den Lautklang, nicht aber die Bedeutung des
- Wortes verändern)
- Suchbewegungen der Artikulationsorgane
- Es treten beim gleichen Wort immer wieder andere Fehler auf
- Fehler treten nur in der gesprochenen, nicht in der geschriebenen Sprache auf.
 
Häufig tritt die Sprechapraxie in Kombination mit einer Aphasie auf, sodass die Symptome nicht immer eindeutig sind.
Ziel der Therapie ist in erster Linie die Verständlichkeit der Äußerungen.